MARC-ANDRÉ HAMELIN
Marc-André Hamelin ist ein visionärer Pianist. Als langjähriger Pionier widmet er einen Großteil seiner Karriere den Raritäten des Repertoires (Godowsky, Alkan, die Paraphrasen von Liszt …) und bietet zugleich persönliche Deutungen berühmter Meilensteine der Klavierliteratur. Im Rezital entfaltet Hamelin die Quintessenz seines Könnens.
Programm
MIECZYSŁAW WEINBERG (1919–1996)
Klaviersonate Nr. 5 op. 58
FRÉDÉRIC CHOPIN (1810–1849)
Klaviersonate Nr. 2 in b-Moll op. 35
Pause
GEORGE ENESCO (1881–1955)
Carillon nocturne op. 18 Nr. 7
CLAUDE DEBUSSY (1862–1918)
Images, deuxième livre
EARL WILD (1915–2010)
Sieben virtuose Etüden über Lieder von Gershwin
Marc-André Hamelin spielt Godowsky: „The Gardens of Buitenzorg“ aus der „Java Suite“ beim Verbier Festival
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Mögen Sie Weinberg? Noch vor wenigen Jahren hätte diese Frage selbst versierte Musikliebhaber überraschen können. Lange Zeit im Schatten seines Freundes und Mentors Schostakowitsch stehend, wird das Werk des polnisch-sowjetischen Komponisten heute wiederentdeckt – wie Solisten vom Format eines Hamelin beweisen, die sich leidenschaftlich für seine lyrisch-fieberhaften Sonaten einsetzen. Ebenso scheut der Montrealer Pianist nie davor zurück, den strengen klassischen Rahmen zu verlassen, wie die unwiderstehlichen Etüden von Earl Wild zeigen – glanzvolle Transkriptionen von sehr jazzigen Gershwin-Liedern. Der gelehrte Hamelin lässt zudem auf neue, überraschende Brücken zwischen den Werken hoffen. So wird einer der roten Fäden seines Rezitals das Motiv der Glocke sein: düster bei Chopin (wie im berühmten Marsch der Sonate Nr. 2), poetisch bei Debussy (Cloches à travers les feuilles) oder von einer verblüffenden Modernität bei Enesco (das erstaunliche und viel zu seltene Carillon nocturne von 1916).