QUATUOR ÉBÈNE
Sämtliche Streichquartette Beethovens zu hören ist für Musiker wie für Zuhörer das Erlebnis eines Lebens. Nach einem ersten vollständigen Zyklus im Jahr 2020 nimmt sich das Quatuor Ébène in seiner neuen Besetzung (Pierre Colombet, Gabriel Le Magadure, Marie Chilemme und Yuya Okamoto) das Werk erneut vor, mit einer Reihe von sieben außergewöhnlichen Konzerten zum 200. Todestag des deutschen Komponisten.
Programm
LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770–1827)
Streichquartett Nr. 6 B-Dur op. 18 Nr. 6
Pause
LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770–1827)
Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132
Evgeny Kissin und Quatuor Ebene spielen: Schostakowitsch: Klavierquintett g-Moll, op. 57: III. Scherzo
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Ein vorletzter Teil wie ein Kampf der Titanen. Nicht etwa als Gegensatz zwischen den Quartetten Nr. 6 und Nr. 15 – denn die Werke weisen trotz ihres zeitlichen Abstands zahlreiche Gemeinsamkeiten auf –, sondern vielmehr innerhalb der Stücke selbst, in denen sich extremste Gefühle widersprechen und vereinen. Als letztes Werk aus Beethovens früher Schaffensperiode besticht Nr. 6 durch seine immense Vielfalt. Zu Recht ist das Finale der Nachwelt in Erinnerung geblieben. Der Satz beginnt in einer für die damalige Zeit ungeheuren Langsamkeit, einer „Malinconia“, über die der Komponist in der Partitur vermerkte: „Dieses Stück muss mit der größten Delikatesse behandelt werden“, bevor er in eine entfesselte Freude übergeht. Diese Meteorologie der Affekte findet sich auch im Quartett Nr. 15 wieder. Der Ton des Stücks ist entschieden düster und fragmentiert, wie in Erwartung einer bevorstehenden Befreiung, die im berühmten „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“ erfolgt. An der andächtigsten Stelle des Satzes, den Beethoven nach der Genesung von einer schweren Darmkrankheit schrieb, vermerkt das Manuskript: „mit innigster Empfindung“. Ein Militärmarsch führt uns anschließend zurück in die schmerzliche Realität des Lebens, bevor ein Finale zwischen Verzweiflung und Weihe schwankt. Gemeinsam mit dem Quatuor Ébène führt uns dieses Konzert mitten in das Herz der menschlichen Seele.